Klänge entfachen das Licht.

Mit einem musikalischen Segen an der Orgel und Worten des Schriftstellers Hanns Dieter Hüsch hat ein berührender und aufrüttelnder Abend in der Paterskirche in Wiedenbrück geendet. Das Konzert war der Beginn einer Veranstaltungsreihe zum Gedenken an das Kriegsende vor 75 Jahren am 08. Mai 1945. Viele Ausführende trugen unter dem Titel „Tenebrae. Vom Dunkel zum Licht“ dazu bei, an die Geschichte zu erinnern. Bis zum Sommer werden Lesungen und Konzerte in Münster folgen.

Auch heute sind Ausgrenzung, Vertreibung, Flucht und Krieg allgegenwärtig. Else Lasker Schülers ergreifendes Gedicht „Weltende“ leitete eine Reihe von Musikdarbietungen ein, die mit dem Gesang des titelgebenden Responsoriums „Tenebrae factum sunt“ (Es gab Dunkelheit) begann. Es folgen harsche, schneidende Orgelklänge und Jean Langleis‘ „Chant Héroique“. In sakralen Gesängen wie in Erhard Mauersbergers „O Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens“ und Orlando di Lassos „De profundis clamavi“ ging es um Versöhnung und Frieden. Mit Hingabe sangen das Solistenensemble ColVoc und die Gregorianik-Schola Marienmünster und Corvey. Passend zum Thema spielte Rainer Schnippe an der Orgel die „Litanies“ von Jehan Alain, der 1940 kurz vor dem Kriegsende in Frankreich fiel.

Auch „De profundis clamavi“ für vier Solisten, Percussion und Orgel von Arvo Pärt, der nach dem Zweiten Weltkrieg unter der sowjetischen Okkupation in Estland litt, passte ins Programm. Kaum konnte man sich den mahnenden Stimmen und Klängen entziehen, die so geschickt von diversen Stellen im Kirchenraum erklangen. Wie sanfte Hammerschläge drang Christopher Deanes „Etude for a Quiet Hall“, vituos gespielt von Reinhard Klinkenmeier am Marimbaphon, ans Ohr. Einen außergewöhnlichen Hörgenuss bot Antonio Vivaldis „Nulla in mundo pax sincera, RV 630“ (Es gibt keinen wahren Frieden in der Welt), emotional bewegt gesungen von Elisabeth Schnippe, begleitet von ihrem Ehemann an der Truhenorgel und dem Streichquartett „Das Lignum“.

Von Pjotr Techmanskis klangvoll strahlenden Saxophonklängen umrahmt, traf die Unmittelbarkeit der Stimmen am tiefsten ins Innere der Seele. So auch die von Hans Hermann Jansen vorgelesenen Texte von Nelly Sachs und Gertrud von le Fort. Er leitet die Gregorianik-Schola seit 30 Jahren. Er wünschte allen, mit einem guten, frohen Gefühl nach Hause zu gehen und nicht zu vergessen, dass das Licht immer wieder entfacht werden muss. Zur Freude der heimischen Kulturfreunde soll der Erlös aus dem Konzert die Genossenschaft „Kloster Wiedenbrück“ und deren Aufgaben fördern.

Bilder und Text: Dr. Silvana Kreyer | Erschienen 03.03.2020 in „Die Glocke“